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Rede von Univ. Prof. Dr. Maximilian Gottschlich, Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien*

bei der Kundgebung „Solidarität mit Israel – Befreit Gaza von der Hamas“
am 21. November 2012 in Wien

Wenn Tag für Tag Raketen auf Israel abgefeuert werden – alleine in diesem Jahr schon mehr als 700 – dann kann man nicht dazu schweigen, dann bedeutet Schweigen Zustimmung. Wenn radikal-islamische Terrororganisationen wie die Hamas die Vernichtung des jüdischen Staates fordern, dann kann man nicht so tun als forderten sie etwas anderes. Denn: „Wo die Klarheit aufhört, dort beginnt die Mittäterschaft“ (Omer Bartov)

Diese Klarheit ist längst einem diffusen Nebel an Vorurteilen und Halbwahrheiten gewichen – nicht nur, weil die Situation des israelisch-palästinensischen Konflikts unendlich komplex ist, sondern weil die systematische Dämonisierung Israels in vielen westlichen Medien diese Klarheit beseitigt hat und so die öffentliche Wahrnehmung des Nah-Ostkonflikts trübt. Wenn Israels Existenzrecht zum Spielball der Meinungen gemacht wird, wenn Israels Recht auf Selbstverteidigung infrage gestellt wird, indem man in den militärischen Reaktionen auf die Hamas-Angriffe bloß ein wahltaktisches Manöver sieht, wenn Israel als rassistischer Staat und als Okkupationsmacht diffamiert wird, wenn der Gaza-Streifen mit einem riesigen Konzentrationslager verglichen wird – kurz, wenn alles dazu getan wird, Israel auf der Anklagebank zu halten, dann freilich darf man sich nicht wundern, wenn der neue Antisemitismus in Gestalt des Antizionismus nahezu schon zum guten Ton gehört.

Nahezu die Hälfte der Österreicher, nämlich 42% stimmt heute der Aussage zu „Die Israelis verhalten sich den Palästinensern gegenüber genauso unmenschlich, wie damals die Nazis gegenüber den Juden“. Welche Verdrehung der geschichtlichen Wahrheit, welche Verdrehung der politischen Wirklichkeit Israels! Aber genau auf diese blasphemische Verkehrung der Geschichte, auf diese Verkehrung von Opfern und Tätern setzt die Propagandastrategie der deklarierten Feinde Israels. Und wie sich zeigt, haben sie damit Erfolg. Denn die Umkehr von Opfern und Tätern durchzieht wie ein roter Faden die Israel-Berichterstattung zahlreicher westlicher, und auch österreichischer Medien. Gleich, was passiert – schuld ist immer Israel!

Nicht wenige Medien machen sich damit freiwillig oder unfreiwillig zum Sprachrohr der islamistischen Propaganda und erkennen nicht, dass sie damit indirekt das Geschäft des Terrors betreiben. Es reicht nicht, den Holocaust wortreich zu beklagen und  gleichzeitig zur eskalierenden Gewalt gegen Israel zu schweigen. Es reicht nicht, das „Nie wieder“ an diversen Gedenktagen zu propagieren und die wachsende atomare Bedrohung Israels durch den Iran zu ignorieren. Es reicht nicht nach Frieden im Nahen Osten zu rufen und für den hasserfüllten Terror radikal islamischer Organisationen, allen voran der Hamas, alleine Israel die Verantwortung zuzuschieben. Und schließlich: Es reicht nicht, den Freiheitlichen, allen voran Herrn Strache und Herrn Mölzer, die Sympathiekundgebung für Israel zu überlassen, während das offizielle Österreich vom Bundespräsidenten abwärts schweigt und sich mit nichtssagenden Aufrufen zur Mäßigung begnügt!

In Zeiten wie diesen wird eines besonders deutlich: Wir sind nicht nur passive Zuschauer des Stücks Weltgeschichte, das im Nahen Osten mit blutiger Schrift geschrieben wird – wir sind vielmehr dazu aufgerufen – wo immer wir auch stehen – in guten Gedanken, richtigen Worten und noch besseren Taten an diesem Stück Weltgeschichte mitzuwirken! Israel braucht dieses Engagement, braucht die Solidarität derer, die sich betroffen fühlen.

*Von Maximilian Gottschlich ist zuletzt das Buch „Die große Abneigung. Wie antisemitisch ist Österreich? Kritische Befunde zu einer sozialen Krankheit“ erschienen (Czernin-Verlag 2012)

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